Open Badges 3.0 &
Verifiable Credentials erklärt

Issuer Aussteller Badge + Krypto-Signatur ESCO-Kompetenz-Link DID-Dokument (öff. Key) Bildungseinrichtung / HR-Plattform ausstellen Holder Wallet Inhaber:in Eigene Kontrolle Selektiv teilen Offline verifizierbar DSGVO-konform EUDI-Wallet-kompatibel vorzeigen Verifier Prüfer ✓ Signatur geprüft ✓ Kein Aussteller-Kontakt ✓ ESCO-Kompetenz bekannt HR-System / ATS W3C VC Standard

Was sind Open Badges – und warum gibt es eine Version 3.0?

Open Badges sind digitale Nachweise, die Kompetenzen, Qualifikationen oder Lernerfolge maschinenlesbar und fälschungssicher dokumentieren. Das Konzept geht auf die Mozilla Foundation zurück und hat sich seit 2011 als offener Standard etabliert. Mit Version 3.0, die die IMS Global Learning Consortium (heute: 1EdTech) gemeinsam mit der W3C-Community entwickelt hat, vollzieht der Standard einen grundlegenden technischen Schritt: Badges werden zu Verifiable Credentials.

Das klingt zunächst abstrakt. Der Unterschied zur Vorgängerversion ist jedoch für Unternehmen, die Kompetenznachweise ernst nehmen, erheblich – sowohl was Datensicherheit als auch was Interoperabilität betrifft.

Verifiable Credentials: das technische Fundament

Verifiable Credentials (VCs) sind ein offener W3C-Standard zur digitalen Beglaubigung von Aussagen. Eine solche Aussage kann lauten: „Person X hat Kompetenz Y nachgewiesen, bestätigt durch Organisation Z am Datum D." Diese Aussage wird kryptografisch signiert – ähnlich wie eine digitale Unterschrift unter einem Dokument, nur deutlich robuster und automatisiert prüfbar.

Das Modell besteht aus drei Rollen:

Die Prüfung erfolgt über den öffentlichen Schlüssel des Ausstellers, der in einem dezentralen Register oder einem bekannten Endpunkt hinterlegt ist. Wurde der Badge nachträglich verändert, schlägt die Verifikation fehl. Das macht Manipulationen praktisch unmöglich.

Was sich technisch gegenüber Open Badges 2.0 verändert hat

In der Version 2.0 waren Badges typischerweise als PNG- oder SVG-Bild gespeichert, in das ein JSON-Datensatz eingebettet war. Die Verifikation lief über eine URL, die auf den Server des Ausstellers zeigte. Das hatte mehrere Schwachstellen:

Open Badges 3.0 löst diese Probleme strukturell. Ein Badge ist nun ein vollständiges Verifiable Credential im JSON-LD-Format, das eine kryptografische Signatur enthält. Die Verifikation ist offline möglich – sie hängt nicht mehr von der Verfügbarkeit des Aussteller-Servers ab. Gleichzeitig wird das Credential in einer standardkonformen digitalen Wallet gespeichert, über die der Inhaber selbst die Kontrolle hat.

JSON-LD, DID und digitale Wallets: die wichtigsten Bausteine

Wer die Technologie hinter Open Badges 3.0 verstehen möchte, begegnet unweigerlich einigen Begriffen:

JSON-LD (JSON for Linked Data) ist das Datenformat, in dem Verifiable Credentials beschrieben werden. Es erlaubt, Aussagen maschinenlesbar und semantisch eindeutig zu formulieren – entscheidend, wenn Systeme unterschiedlicher Anbieter Daten austauschen sollen.

DIDs (Decentralized Identifiers) sind eindeutige Identifikatoren für Aussteller und Inhaber, die ohne zentrale Registrierungsstelle auskommen. Ein DID verweist auf ein sogenanntes DID-Dokument, das den öffentlichen Schlüssel des Ausstellers enthält. Damit lässt sich die Signatur eines Credentials prüfen, ohne dass eine zentrale Datenbank abgefragt werden muss.

Digitale Wallets sind Anwendungen, in denen Holder ihre Credentials verwalten. Sie funktionieren konzeptionell ähnlich wie eine Brieftasche: Der Inhaber entscheidet, welche Nachweise er wem zeigt. Wichtig für den HR-Kontext: Die Wallet liegt beim Mitarbeitenden, nicht beim Unternehmen – das entspricht dem Prinzip der datensouveränen Identität (Self-Sovereign Identity, SSI).

Was das für die Praxis in HR und Weiterbildung bedeutet

Für HR-Verantwortliche sind diese technischen Details nicht Selbstzweck. Sie haben konkrete Auswirkungen:

Portabilität: Mitarbeitende können Kompetenznachweise aus internen Weiterbildungsprogrammen, externen Zertifizierungen oder Projekterfahrungen in einer einzigen Wallet bündeln und bei Bedarf weitergeben – plattformunabhängig.

Vertrauenswürdigkeit: Weil jeder Badge kryptografisch signiert ist, kann ein aufnehmender Arbeitgeber oder ein internes Talentmanagement-System die Echtheit automatisiert prüfen. Manuelle Überprüfungen entfallen.

Langlebigkeit: Da die Verifikation nicht von einem externen Server abhängt, behalten Badges ihren Nachweiswert auch dann, wenn der ursprüngliche Aussteller seine Infrastruktur ändert oder den Betrieb einstellt.

Datenschutz: Das Modell ist DSGVO-kompatibel konzipiert. Personenbezogene Daten werden nicht zentral gespeichert; der Inhaber kontrolliert, welche Informationen er weitergibt. Selective Disclosure – also das gezielte Teilen einzelner Attribute ohne vollständige Offenlegung des Credentials – ist technisch vorgesehen.

Wo Open Badges 3.0 heute steht

Der Standard ist seit 2023 offiziell verabschiedet. Die Marktdurchdringung im DACH-Raum befindet sich noch in einer frühen Phase, nimmt aber erkennbar Fahrt auf – insbesondere im Kontext von europäischen Initiativen rund um die European Digital Credentials for Learning (EDCL) und den European Qualifications Framework (EQF). Beide Rahmenwerke setzen auf kompatible technische Grundlagen.

Für Unternehmen, die heute in Lernmanagementsysteme, Kompetenzplattformen oder interne Zertifizierungsprogramme investieren, lohnt es sich, auf Anbieter zu achten, die den OB-3.0-Standard nativ unterstützen – nicht als nachträgliches Feature, sondern als architektonische Grundlage.

Einordnung und nächste Schritte

Open Badges 3.0 ist kein Hype-Thema, sondern eine technische Reifung eines seit über einem Jahrzehnt bewährten Konzepts. Die Verbindung mit dem W3C-Standard für Verifiable Credentials macht digitale Kompetenznachweise erstmals wirklich interoperabel, fälschungssicher und datenschutzkonform – und damit für den ernsthaften Einsatz in Unternehmen tauglich.

Wer Kompetenzen nicht nur dokumentieren, sondern strategisch nutzen möchte – etwa für Skill-Gap-Analysen, interne Mobilität oder die Anbindung an Frameworks wie ESCO –, findet in Open Badges 3.0 eine skalierbare technische Grundlage.

Skill Intelligence unterstützt die Ausstellung und Verwaltung von Open Badges 3.0 nativ und verbindet digitale Kompetenznachweise direkt mit ESCO-basiertem Skill-Mapping. Unternehmen im DACH-Raum können so Weiterbildungsmaßnahmen nicht nur dokumentieren, sondern unmittelbar in die strategische Kompetenzentwicklung einbinden.

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